Samstag, 25. Mai 2013

André Aciman: Ruf mich bei deinem Namen

Ruf mich bei deinem Namen
André Aciman

Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Juni 2010)
ISBN-13: 978-3423138949


Klappentext
Völlig unvorbereitet trifft Elio seine erste große Liebe: Oliver ist für sechs Wochen bei Elios Familie an der italienischen Riviera zu Gast, wo der Harvard-Absolvent sein Buch über Heraklit beenden will. Oliver, der wie Elio jüdische Wurzeln hat, ist weltgewandt, intelligent, schön. Oliver ist alles, was Elio will, vom ersten Moment an. Ein fast unerträgliches Spiel von Verführung und Zurückweisung beginnt und wächst sich allmählich zur Geschichte zweier Seelenverwandter aus, die wissen, dass diese Liebe die vollkommenste und zugleich unmöglichste ihres Lebens sein wird. In einem kurzen Sommer zwischen Obsession und Angst, Verlangen und Verzweiflung suchen zwei Menschen nach dem Augenblick der absoluten Erfüllung: dass jeder sich in den Andern verwandle.


Frankys Kritik

Ein Buch, das mich hin- und hergerissen hat und bei dem ich mich mit einer Beurteilung etwas schwer tue. Auf der einen Seite besitzt es durchaus seine Momente, die mich gefesselt und fasziniert haben. Andererseits machen es mir Form und Sprache nicht gerade leicht.

Beginnen wir einfach mit dem, was mir nicht gefällt:

Das Buch besitzt keine Kapitel, sondern nur vier mehr oder weniger lange Teile. Auch Absätze sucht man oftmals vergeblich. Das passt natürlich zur Gedankenwelt Elios, die der Roman in einem nahezu endlos langen Monolog wiedergibt, lässt sich aber häppchenweise (und wer hat schon die Möglichkeit, ein Buch am Stück zu lesen) nur erschwert delektieren.

Die Geschichte kreist weniger um die erwachende Liebesbeziehung der beiden Protagonisten, als vielmehr um die Selbstzweifel Elios über seine eigene Orientierung. Das spiegelt sich in der Sprunghaftigkeit seiner sexuellen Begierden (und Taten) wider, reibt sich aber derart mit den eigenen – gedanklichen – Liebesbekundungen und Wünschen, dass es stellenweise nur schwer nachzuvollziehen ist.

Dementsprechend mag es nur konsequent sein, dass eine Entwicklung der Protagonisten nicht stattzufinden scheint. Man dreht sich im Kreise und ist am Ende des Sommers wieder an dessen Beginn angekommen. Womöglich gewollt empfinde ich als Leser diesen Zirkelschluss dennoch unbefriedigend. Nur im letzten Teil, in dem die Figuren nach Jahren auf diesen gemeinsamen Sommer zurückblicken, lässt eine späte Erkenntnis zu.

Gefallen hat mir die Beschreibungen des Sommers, der Landschaft, der Annäherung der Personen, welche die Hitze und die Leidenschaft regelrecht spürbar machen. Die Momente des Glücks, der Gemeinsamkeit, des Zusammenseins ziehen den Leser in ihren Bann. Auch schließlich der vierte und letzte Teil weiß zu fesseln und weckt in mir sogar die stärksten Emotionen.

So hinterlässt das Buch für mich einen bittersüßen Nachgeschmack von Wehmut und den Wunsch, dass nicht nur diese Geschichte hätte ein wenig anders verlaufen mögen.




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