Mittwoch, 1. Mai 2013

Anneke Scholtens: Abel

Abel
Anneke Scholtens


Gebundene Ausgabe: 137 Seiten
Verlag: Männerschwarm; Auflage: 1., Aufl. (März 2007)
ISBN-13: 978-3939542032


Klappentext
Während der Schulzeit hat Bart eine Erfahrung gemacht, über die man besser nicht spricht: sein bester Freund hat sich in ihn verliebt. Das ist peinlich und macht Angst. Nicht, weil man den anderen nicht mag, sondern weil der andere ein Junge ist. Als dann die Mitschüler anfingen, die beiden als Liebespaar zu verspotten, war endgültig Schluss. Jahre später erfährt er von Abels plötzlichem Tod. Erinnerungen kommen hoch und Bart hat Schuldgefühle, weil er Abel zurück gewiesen hat, weil seine Freundschaft nicht stark genug war, um die mehr als schüchternen Annäherungsversuche zu verkraften. Noch jetzt kann er seiner Freundin nicht die Wahrheit sagen, doch Roos merkt schnell, dass er eine Leiche im Keller hat, und reagiert wütend auf sein ständiges Ausweichen. Bei Abels Beerdigung zeigt sich, dass auch Eltern und Mitschüler auf recht eigenartige Weise mit der Vergangenheit umgehen.


Frankys Kritik

Eigentlich mag ich keine kurzen Bücher. Und dieses Buch ist kurz, verdammt kurz. 137 Seiten bei einem sehr großzügigen, fast schon verschwenderischen Satzspiegel könnten im Taschenbuchformat leicht auf gerade mal 60 Seiten untergebracht werden. Trotzdem haben wir es auf Grund der textlichen Form mit einem Roman zu tun, der sich sprachlich sehr locker herunter liest. Inhaltlich wird man allerdings öfters einmal gezwungen, kurz inne zu halten, um das gerade gelesene zu reflektieren. Es ist schon erstaunlich, wie viel die Autorin in diesem kurzen Text hat unterbringen können. Ein Coming Out aus der Sicht des heterosexuellen, besten Freundes, dem die Liebe gilt, der sie aber nicht erwidern kann, weicht zudem vom üblichen Aufbau einer solchen Geschichte ab. Der deutsche Titel konzentriert sich durch die sich aufdrängende Analogie zu Kain & Abel auf die Schuldfrage, was meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt ist. Der Originaltitel – übersetzt „Er war mein Freund“ – gefällt mir da besser.

Zusammengefasst ein Büchlein, das mir deutlich länger im Gedächtnis bleiben wird, als ich daran gelesen habe. Das können nicht allzuviele Bücher von sich behaupten.



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